Die Gründung der SPD Untergrombach im Jahr 1905
Das Industriedorf Untergrombach hatte um diese Zeit fast 2400 Einwohner. (Bruchsal ca. 15000) Die meisten Untergrombacher arbeiteten damals in der tabakverarbeitenden Indus
trie, die mit 25 Betrieben am Ort vertreten war. Daneben fanden die Arbeiter im Handwerk oder bei der Großherzoglich Badischen Eisenbahn ihre Arbeitsplätze. Ein kleiner Bevölkerungsteil war in der Landwirtschaft tätig. Bereits 1902 wirbt Heinrich Zöller für die Sozialdemokratie bei Untergrombacher Arbeitern von Schnabel und Henning (Bruchsal) und Gritzner (Durlach).
Als am 23. September 1905 mit Unterstützung der Bruchsaler Parteifreunde 21 junge Männer den
aus der Taufe hoben, hatten die sozialreformerischen Ideen auch in diesem Ort Wurzeln gefasst. Die Arbeit dieser jungen Organisation solle später sogar im Landtag hitzige Debatten hervorrufen.
In der Mitgliederliste stehen 21 Gründungsmitglieder deren Durchschnittalter damals 25 Jahre betrug. Welche Rolle der aus dem bayrischen Kirchheim – Bolanden zugewanderte Schuhmacher Georg Zahn spiele, ist nicht mehr bekannt. Doch es kann vermutet werden – da er als die Nr. 1 der Liste erscheint,- dass der damals 31 jährige einen entscheidenden Beitrag zur Gründung geleistet hat. Vielfach waren „Handwerker auf der Walz“ Weiterverbreiter sozialdemokratischer Ideen.
Den Gründern ein Ehrendes Gedenken:
Georg Zahn Schuhmacher
Chrtophomus Wolf Fabrikarbeiter
Josef Hannich Schlosser
Sebastian Zöller Taglöhner
Adolf Müller Former
Ferdinand Willhauk Schmied
Hermann Modery Schlosser
Martin Schmitt Zigarrenmacher
Otto Wachter Polierer
Johann Hill Schlosser
Albert Holler Taglöhner
Siegfried Arnold Fabrikarbeiter
Heinrich Zöller Landwirt
Josef Wolf Former
Heinrich Lechner Schlosser
Wilhelm Schmitt Zigarrenmacher
Edwin Soller Fabrikarbeiter
Johann Krieger Former
Otto Wekei Schneider
Christoph Kußmann Schmied
Eugen Mangei Fabrikarbeiter
Kurze Zeit später traten noch August Mayer, Ferdinand Holler, Ambros Müller, Anton Riedele, Emil Mangei und Anton Klotz der Partei bei.
Am 1. Januar 1906 verzeichnete die Mitgliederliste noch Karl Kauz, Julius Zorn und Philipp Meerapfel, der bereits seit dem 1.04 1904 Mitglied der SPD in Offenburg geworden war.
Philipp Meerapfel, der Sohn eines in Untergrombach ansässigem jüdischen Tabakfabrikanten, sollte später in der Partei und in den Arbeitervereinen zusammen mit Karl Mangei Heinrich Zöller, Peter Modery,Ambros Müller und Josef Becker eine tragende Rolle spielen.
Die Arbeit beginnt
In der Sonderausgabe der SPD Zeitung „Volksfreund“ zum 1. Mai 1927 berichtet der langjährige Gemeinderat Karl Mangei über die weitere Arbeit in der Parteiorganisation.
„Die erste Tätigkeit war die Vorbereitung der Landtagswahl im Oktober desselben Jahres. Der Erfolg war ein guter. Am 19. August 1906 wurde die Gründung eines Arbeitergesangvereins beschlossen, was im November desselben Jahres auch geschah. Eine rege Tätigkeit entfalteten die Genossen zur Reichstagswahl 1907 und überhaupt zu allen die Partei und die Arbeiterbewegung berührende Fragen. An den Gemeinderatswahlen nahm die Parte selbständig erstmals im Jahr 1908 teil, wo wir in der 3. Klasse 10 Sitze errangen.“
Bei der Landtagswahl 1909 erhielten die Sozialdemokraten von 404 abgegebenen Stimmen 168. Die SPD hatte 30 eingetragene Mitglieder.
Aus: Festschrift der SPD Untergrombach, 75 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1980
Bereits 1897 beschlossen 57 sozialdemokratische Gemeindevertreter aus Baden in Anwesenheit des Landesvorsitzenden Haug ein „Aktionsprogramm der sozialdemokratischen Bürgerausschussmitglieder“, vermutlich das erste dieser Art in Deutschland.
Hier wurden u.a. die Forderungen erhoben, dass sich die Gemeinden zu einem vorbildlichen Arbeitgeber entwickeln sollten. (Einführung eines 8 Stundentags, jährlich bezahlter Urlaub von 8 Tagen und ein Minimallohn von 3 Mark)
Speziell diese Forderung veranlasste einen Lehrer der näheren Umgebung zu folgendem Spruch vor seiner Klasse, der bis in die heutige Zeit erhalten blieb ( so nachhaltig mussten wohl diese berechtigten Forderungen gewirkt haben).
Daneben erhielt dieses Programm die Gründung von Pensionskassen und städtischen Arbeitsämtern, ein städtisches Auskunftsbüro für die Sozialgesetzgebung. Außerdem wollte man die Schul - und Lehrmittelfreiheit, eine bessere Bezahlung für Lehrer, eine Schulküche eine Schulwärmehalle und eine größere Berücksichtigung des Handfertigkeitsunterrichtes.
Vor diesem Hintergrund muss die kommunalpolitische Tätigkeit der Untergrombacher SPD gesehen werden. Die Gründung des Wahlvereins führte zu einer äußerst gespannten lokalpolitischen Atmosphäre. Hans - Josef Wollasch berichtet u.a. in seinem Buch „Beiträge zur Geschichte der Deutschen Caritas in der Zeit der Weltkriege“ über das Wirken des späteren Caritas Präsidenten Pfarrer Benedict Kreutz in Untergrombach :
Im Jahr 1910 stellte sich aus der Sicht des Erzbischöflichen Ordinariats die Situation wie folgt dar:
Deshalb entschloss man sich den bisherigen Untergrombacher Pfarrer Graf nach Heitersheim zu versetzten und dafür als Pfarrverweser Benedict Kreutz einzusetzen – ihm traute man zu, der Sozialdemokratie Paroli zu bieten.
„ Die Gegensätze zwischen Liberalen und Sozialdemokraten einerseits und den Katholiken (Zentrum) andererseits, vertieft durch die Meinungsbildung von Kreutz Vorgänger Pfarrer Graf, der gegen die „ketzerischen“ und „ungläubigen“ Sozialdemokraten zu Felde zog, hatte jene besondere lokalpolitische Atmosphäre geschaffen, die nicht nur der Kirchenbehörde in Freiburg bekannt war, sondern auch vielen besonnenen Untergrombachern Sorge bereitete“, schreibt der Buchautor weiter. Die Auseinandersetzungen spiegelten sich in der Zentrumspresse „ Badischer Beobachter“ und der SPD Presse „Volksfreund“ wieder. Sogar in der hohen Politik spiele das Spannungsfeld Untergrombach eine Rolle. Der Großherzogliche Landeskommisär hatte im badischen Kultusministerium die warnende Direktive gegeben: „Ohne Einschränkung wird die Niederlassung einer vom Erzbischof beantragten Ordensniederlassung auf dem Michaelberg als höchst bedrohlich, mit Rücksicht auf die konfessionelle Mischung der Bevölkerung, bezeichnet werden müssen.“
Den Graben zwischen „Schwarz“ und „Rot“ eingeebnet und die zerstrittenen Dorfbewohner wieder auf den Weg einer Gemeinschaft gewiesen zu haben, ist das Verdienst des Pfarrverwesers Kreutz gewesen, der im Hinblick auf Sozialdemokraten und Liberale den Ausspruch getan hatte:
„Auch sie sind meine Pfarrkinder“
Die religiöse Parteileitung der SPD rühmte denn auch das taktvolle Verhalten und die Bereitschaft des Pfarrers von Untergrombach zu friedlicher Zusammenarbeit als beispielhaft und ermunterte Ihre Gegner zu einem sachlich politischen Kampf.
Im Jahr 1911 fanden Gemeindewahlen statt. Die SPD erhielt 14 Sitze im Bürgerausschuss und 2 Sitze im Gemeinderat. „ Bei den nachfolgenden Reichstag- und Landtagswahlen stieg unter der regen und zielbewusster Arbeit der Genossen unsere Stimmenzahl“, wusste Karl Mangei zu berichten.
Bei den Reichstagswahlen 1912 errang die Sozialdemokratie 152 von 438 Stimmen. Im Mai 1913 finden im Großherzogtum Baden Landtagswahlen statt. Im Wahlkreis Bruchsal – Durlach wird eine Stichwahl zwischen Sozialdemokrat Heinrich Kurz, Gastwirt und Gemeinderat aus Grötzingen und dem konservativen Bewerber notwendig. Heinrich Kurz wird im zweiten Wahlgang als Landtagsabgeordneter gewählt.
Zu den Bürgerausschusswahlen 1914 kommt es nicht mehr. Der völkermordende 1. Weltkrieg hatte begonnen, das Partei – und Vereinsleben kam zum Erliegen.
Aus: Festschrift der SPD Untergrombach, 75 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1980
Als im März 1933 durch die Nationalsozialisten die sozialdemokratische Bewegung innerhalb von 50 Jahren zum zweiten Mal verboten wurde, bestanden in Untergrombach mehrere der SPD eng verbundene Arbeitsvereine.
Dier Arbeitsgesangverein „Bruderbund“, der „Turnverein Untergrombach“, der sich dem „Arbeiter-Turn- und Sportbund“ angeschlossen hatte, der „Touristenverein der Naturfreunde“, der „Arbeiter-Samariter-Bund“ sowie der „Arbeiter-Schützenverein“.
In der Samstagsausgabe des Untergrombacher Wochenblattes wurde am 20. Juni 1931 in einer großen Aufmachung über die 25 Jahr-Feier des Arbeitergesangvereins „Bruderbund“ berichtet. Ein großes Festbankett mit Fahnenweihe und ein Festumzug hat einen „Markstein in der Geschichte des Vereins“ gesetzt. 20 Arbeitergesangvereine nahmen bei dieser großen Feier teil. Der Festpräsident war Karl Mangei.
Über die Geschichte des Vereins berichtet das Blatt u.a.:
„In der politisch sehr bewegten Zeit des Jahres 1905/06 entschloss sich eine kleine Schar freigewerkschaftlich politisch-sozialdemokratisch organisierter, in der Mehrzahl noch junger Männer, einen Arbeitergesangverein ins Leben zu rufen. Es war selbstverständlich eine schwierige und gewagte Aufgabe, zumal die hiesigen beiden bürgerlichen Gesangvereine damals schon auf sehr beachtlichem Niveau standen. Nach verschiedenen Vorbesprechungen, in denen über Bedeutung und Aufgaben der Arbeiter-Gesangvereine referiert wurde, schritt man dann zur Gründung. Die Männer, die den Verein ins Leben riefen, waren 1. Johann Hill, 2. Severin Arnold, 3. Christoph Wolf, 4. Karl Kautz, 5. Heinrich Zöller, 6. Martin Schmitt, 7. Gustav Zöller II, 8. Georg Schmitt, 9. Sebastian Rapp II, 10. Anton Klotz, 11. Karl Mangei, 12. Emil Mangei, 13. Otto Wachter, 14. Georg Zahn, 15. Hermann Modery, 16. Karl Doll, 17. Richard Doll, 18. Karl Wolf, 19. Hermann Kadel, 20. Philipp Meerapfel, 21. Emanuel Zöller, 22. Ferdinand Willhauk, 23. Wendelin Stelzer, 24. Karl Warth.
Als 1. Dirigent wurde Fritz Ostermeier aus Weingarten gewonnen.“
Nach dem 1. Weltkrieg schloss sich der Turnverein Untergrombach dem Arbeiter-Turn- und Sportbund an. Ambros Müller wurde sein Vorsitzender. Er war zugleich auch Sprecher der SPD im Bürgerausschuss.
Eine der vielen sportlichen Höhepunkte des Vereins waren die Teilnahme am 1. Deutschen Arbeiter-Turn- und Sportfest in Leipzig am 22.07.1922 und der Weltkindertag in Untergrombach mit 2000 Teilnehmer, der mit einem großen Festzug und einer Turnschau in der Obergrombacher Straße endete.
Die später gegründeten „Naturfreunde“ leitete SPD-Gemeinderat Peter Modery, dem „Arbeiter-Samariter-Bund“ stand Hermann Abele vor. Wahrscheinlich 1929 schließen sich die 5 Arbeitervereine zum „Arbeitersportkartell“ zusammen, sein Vorsitzender wurde Josef Becker. Später erwarb diese Arbeitervereinigung den „Engel“, der auch als Übungssaal für die Vereine diente und das Parteilokal der SPD wurde. Ernst Meerapfel war hier ein großer Förderer dieses Vorhabens.
(aus Festschrift 1905-1985, 80 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach)
Nach Ende des Krieges formierte man sich neu. 2 Parteimitglieder waren nicht mehr vom Felde zurückgekehrt. Der Bruderbund trauerte um Anton Kußmann, Peter Kußmann, Emanuel Zöller, Kilian Zöller, August Mayer, Karl Bauscher, und Ludwig Mangei. 25 Parteifreunde setzten die Arbeit fort.
1919 zählte die SPD bereits 59 Mitglieder. 1920 ist die Zahl auf 74 angestiegen.
Bei den Wahlen der Bezirksräte und der Kreisabgeordneten kandidierte auf den Wahlvorschlag der Sozialdemokraten Philipp Meerapfel, Kaufmann zu Untergrombach.
Die Ergebnisse der Landtagswahl 1919 :
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36,63 % |
39 Sitze |
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32,06 % |
36 Sitze |
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22,78 % |
25 Sitze |
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Christliche Volkspartei in Baden |
7,03 % |
7 Sitze |
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Ende der zwanziger Jahre verschärft sich die Politische Auseinandersetzung nicht nur im gesamten Reichsgebiet, auch in Untergrombach brechen die Gegensätze zwischen Zentrum und Sozialdemokraten wieder auf. Aus einem erhalten gebliebenen Zeitungsartikel des „Volksfreund“ geht hervor, dass das Zentrumsorgan „Badischer Beobachter“ und der „Bruchsaler Bote“ „mit vor Neid geschwollenen Artikeln“ gegen den Weltkindertag in Untergrombach zu Felde zogen. Sogar der Nachfolger von Pfarrer Keutz habe Zwietracht von der Kanzel gepredigt. Er hatte in dem Festzug ein „Demonstrationszug“ erblickt, der gegen Sitte und Moral verstoße, da die Turnerinnen und Turner im Turngewande mitmarschierten.
Die örtliche SPD appelliert zum Ausgleich und zur Versöhnung, in einer Zeit, in der die Zerreißung unseres Volkes schon eine beachtliche Höhe erreicht habe.
Aus: Festschrift der SPD Untergrombach, 75 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1980
Am 06.05.1930 berichtet der Volksfreund von einer Maifeier im „Volkshaus“ zum Engel, die vom Genossen Karl Mangei geleitet wurde:
„Reicher Beifall lohnte den Redner des Abends, dem Genossen Landtagsabgeordneten Rückert -Karlsruhe, für seine interessanten und überzeugenden Ausführungen.
Die Feier wurde umrahmt durch Vorträge des Arbeiter-Gesangvereins Bruderbund, der Spielabteilung des Turnvereins und Musikvorträge der Musikkapelle Lyra.“
Im gleichen Jahr finden Gemeinderatswahlen statt.
Auf der SPD Liste kandidiert u.a. JOSEF BECKER, der spätere Untergrombacher Bürgermeister. Mit Karl Mangei und Peter Modery stellt die SPD 2 von 8 Gemeinderäten.
Nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 finden unter erschwerten Bedingungen am 5. März die letzten Reichstagwahlen statt. Das Zentrum erhält 691 Stimmen, die NSDAP 492 Stimmen und die SPD 363 Stimmen.
Das nationalsozialistische Gleichschaltungsgesetz bestimmt, dass das Reichstagswahlergebnis gleichzeitig Grundlage für die Sitzverteilung in den Gemeindeparlamenten wird.
Das Zentrum stellt 3, die NSDAP 2 und die SPD 1 Gemeinderat.
Am 7. März beschließt der Gemeinderat mit 4 Stimmen bei 2 Enthaltungen unter Tagesordnungspunkt 1:
Dies war eines der letzten Zeichen dem NS-Regime Widerstand entgegenzusetzen.
Wie ein Uhrwerk lief von nun an die systematische Gleichschaltung im Deutschen Reich ab.
Am 17. März wird u.a. die sozialdemokratische „Eiserne Front“ verboten. Der Volksfreund muss sein Erscheinen einstellen. Am 30. März werden die Arbeiter-Turn-Sport- und Kulturvereine verboten, die Vereinsvermögen beschlagnahmt. Am 23. Juni folgt das Verbot der SPD, am 11. Juli werden alle SPD-Gemeinderäte gegen Nationalsozialisten ausgewechselt, sofern sie nicht bis dahin „freiwillig“ ihr Amt zur Verfügung gestellt hatten.
In Untergrombach versammelten sich am 6. März die Mitglieder des Arbeitersportkartells im Engel. Das Lokal wurde von SA-Leuten umstellt. Karl Mangei wurde in das Parteilokal der NSDAP, die Kanne, durch die SA verbracht. Er sollte für die bisherige politische Tätigkeit Abbitte leisten, dann wolle man auf eine gewaltsame Stürmung des Volkshauses“ verzichten.
Trotz seiner ablehnenden Haltung unterblieb das angedrohte Vorgehen, Blutvergießen war somit verhindert worden.
Unter dem Druck dieser Ereignisse verzichteten die SPD-Mandatsträger „freiwillig“ auf Ihre Wahlämter und erklärten den Ortsverein für aufgelöst.
Aus: Festschrift der SPD Untergrombach, 75 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1980
Nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht besetzen zuerst französische, später amerikanische Truppen Untergrombach. Um das Leben in der Gemeinde wieder in Gang zu bringen, wurde von der Militärregierung als Bürgermeister Otto Raab, als Gemeinderäte Heinrich Zöller, Karl Mangei, Albert Zipperle, Jakob Klotz, Sebastian Wolf, Gebhard Krieger und Gustav Karl Rapp eingesetzt. Die erste Sitzung fand am 3. August 1945 statt.
Die schwierige Aufbauarbeit in den Gemeinden begann.
Untergrombacher Sozialdemokraten tragen in den Funktionen als Mandatsträger in Gemeinde und Kreis Ihren Teil dazu bei, dass aus den Trümmern des Dritten Reiches wieder ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen erwuchs.
Diese Männer der ersten Stunde sorgten auch dafür, dass die SPD am Ort wieder entstand. Am 19. November 1945 beantragten Karl Mangei, Johann Hill, Albert Jäckel und Karl Fetzner bei den Militärbehörden in Bruchsal die Wiederzulassung der Sozialdemokratischen Partei Untergrombach. Karl Mangei wird der erste Vorsitzende. 65 Bürger treten der Partei bei. Bereits zu Anfang des Jahres 1946 finden die ersten Gemeinderatswahlen statt. Im Engelsaal spricht Prof. Dr. Alex Moeller aus Karlsruhe. Die SPD stellt mit Karl Mangei und Ernst Becker 2 von 6 Gemeinderäten. Die politische Arbeit ist weiterhin rege. So spricht vor rund 200 Zuhörern am 16.12.1946 der spätere Oberbürgermeister von Karlsruhe Friedrich Töpper im Engel über „Aufbau und Programm der SPD“.
In den darauffolgenden Jahren verändert sich in Deutschland Grundlegendes, aus den drei westlichen Besatzungszonen entsteht die Bundesrepublik Deutschland, 1952 wird das Land Baden-Württemberg gegründet. Die Jahre des stetigen Aufstiegs der Bundesrepublik haben begonnen.
Auch für die Sozialdemokraten hat sich seither vieles ereignet. 1956 zieht Dr. Friedrich Müller, SPD in den Stuttgarter Landtag ein. Bis zur Auflösung des Landkreises ist er auch Landrat in Bruchsal. 1966 bilden CDU und SPD in Bonn die große Koalition. Horst Seefeld kommt nach Bonn.
1969 wird mit Gustav Heinemann ein Sozialdemokrat Bundespräsident. Noch im gleichen Jahr bilden SPD und FDP die sozial-liberale Koalition. Willy Brandt wird Bundeskanzler, Walter Scheel Vizekanzler und Außenminister.
1974 überträgt der Deutsche Bundestag Helmut Schmidt das verantwortungsvolle Amt des Bundeskanzlers, das er zusammen mit der sozial-liberalen Regierung getreu seinem geleisteten Eid:
Aus: Festschrift der SPD Untergrombach, 75 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1980
Die Kommunalpolitische Arbeit des SPD Ortsvereins und der SPD Mandatsträger war bis in die Gegenwart geprägt durch die vielfältigen Vorgaben des Dorfes. Einen besonderen Stellenwert nahm dabei die Beschaffung von Wohnraum in den Nachkriegsjahren und auch in der Zeit danach ein. Bedingt durch die Vielzahl der Flüchtlinge und der Vertriebenen aber auch die gesteigerten Ansprüche der Bevölkerung war der Bau neuer Wohnungen unerlässlich.
Bereits 1949 wurde die Neue Heimat in Angriff genommen. Später folgten Weiher, Hochstatt und Schollengarten.1958 wurde die Bahnlinie, die bisher den Ort nach Westen abgrenzt überschritten. Das neue Wohngebiet, die Wendelinussiedlung, in der heute 2000 Menschen wohnen, wurde erschlossen. Auf Initiative von SPD Gemeinderäten insbesondere Ludwig Fischer, wurden viele Straßen, z.B. Pommernstraße, Danziger Straße nach Ostdeutschen Vertreibungsgebieten benannt.
Chronischer Geldmangel veranlasste den Gemeinderat, die Kiesausbeute im Rottstück zu bewilligen. In der Folgezeit entstand der Baggersee, der gleichzeitig auch als Naherholungsgebiet vorgesehen war. Welche negativen Begleiterscheinungen diese Maßnahme vor allem für die Anlieger in der Wendelinussiedlung mit sich bringen würde, konnte seinerzeit noch nicht vorausgesehen werden. Die Meinungen, wie dieses Problem zur Zufriedenheit aller gelöst werden könnte, bewegten die Gemüter quer durch alle Parteien und die gesamte Bevölkerung.
Bedingt durch die gewachsenen Schülerzahlen wurde der Bau einer neuen Schule erforderlich. Am 19. September 1969 wurde diese in der Wendelinnussiedlung eingeweiht. Der Gemeinderat beschloss einstimmig sie nach Joß Fritz, den großen Bauernführer aus Untergrombach zu benennen. Damit wurde ein Mann geehrt, der um 1500 mit seiner Bundschuhbewegung gegen die Obrigkeit aufbegehrt hatte. Der Name der Bewegung war aus dem damals gebundenen Schuh des gemeinen, das heißt, des unfreien und gewöhnlichen Mannes ableitet. Die Grundideen dieser Bewegung waren
Die Losung
war ein berechtigtes Verlangen. Wie der Verlauf der Geschichte gezeigt hat, sollte es bis zur Verwirklichung dieser Idee noch Jahrhunderte dauern.
Nachdem der Bundschuh wiederholt verraten worden war, musste Joß Fritz fliehen und verlegte sein Wirken in das Elsass und in die Gegend von Freiburg. Seine zweite Heimat Freiburg-Lehen hat den Untergrombacher ebenfalls geehrt, in dem sie durch einstimmigen Ratsbeschluss die dort vor einigen Jahren errichtete Mehrzweckhalle „Bundschuhhalle“ benannte. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch der frühere Landkreis Bruchsal den Bundschuh in seinem Wappen führte.
Weiterhin waren Aktivitäten des Ortsverein und der SPD Mandatsträger auf die nötigen Baumaßnahmen bezogen, so z.B. der Bau einer neuen Wasserleitung, des Wassserhochbehälters, des Rückhaltebeckens zwischen Obergrombach und Untergrombach , der Bachverdohlung (1964/66) des neuen Friedhof und des neuen Wohngebietes Sand II, sowie der Mehrzweckhalle. Der Vorschlag der SPD Fraktion, die Halle zu Ehren von Joß Fritz „Bundschuhhalle“ zu taufen wurde von der CDU Fraktion leider nicht mitgetragen.
Seit 1967 bewegt die bis heute noch nicht abgeschlossene Flächensanierung des Ortskerns von Untergrombach die Gemüter. Immer wieder wurde die Frage gestellt, ob der damals eingeschlagene Weg, die historischen Bauwerke abzureisen und durch moderne Bauten zu ersetzen, der richtige war. Der Spitzhacke zum Opfer fielen u.a. seit 1977: das Rathaus (das in fürstbischöflicher Zeit als Zehnscheuer gedient hat), die Gaststätten „Zum Löwen“ (erbaut 1727), „Zum Engel“ (seit 1796, der Saal etwa seit 1910 und „Zur Krone“ (ein Gastwirt wurde bereits 1748 erwähnt)
Nach über 1200 – jährigem Bestehen verzichtete die politische Gemeinde am 22.4.1971 auf ihre politische Selbständigkeit. Mit Wirkung vom 1.Juli 1971 wurde Untergrombach ein Stadtteil von Bruchsal. Dieser Ehe brachte unsere Gemeinde eine Gemarkungsfläche von 960 ha ein; sie setzte sich zusammen aus 72 ha bebauter Fläche, 486 ha landwirtschaftlicher genutzter Fläche, 319 ha Wald und 46 ha Straßen und Wege, 27 ha Gewässer ( einschließlich Baggersee), 7 ha Grünanlage, Sportplätze und Friedhof,3 ha öd- und Unland.
Aus: Festschrift SPD Untergrombach 1905- 1995, 90 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1995
Seit der Eingemeindung Untergrombachs in die Stadt Bruchsal im Jahr 1971 hat Untergrombach keinen Gemeinderat und keinen Bürgermeister mehr. Stattdessen gibt es den Ortschaftsrat und den Ortsvorsteher. Von 1971 bis 1980 bekleidete Heinz Link von der CDU das Amt des Ortsvorsteher in Untergrombach.
Bereits 1980, wäre es nach dem Willen der Wähler in Untergrombach gegangen, hätte die SPD den Ortsvorsteher stellen sollen. CDU und SPD verfügten über jeweils 6 Sitze im Ortschaftsrat. Die SPD hatte 47,3% der Stimmen die CDU dagegen nur 46,7 % erhalten. Auch der Vergleich der beiden Spitzenleute von CDU und SPD sprach deutlich für einen SPD Ortsvorsteher. Modery hatte fast doppelt so viele Stimmen erhalten wie der amtierende Ortsvorsteher Link. 3744 Stimmen in Untergrombach, ein Traumergebnis, das sich wohl so schnell nicht wiederholen wird. Trotzdem entschied der Bruchsaler Gemeinderat – mit seiner damaligen absoluten CDU Mehrheit – gegen den SPD-Mann Hugo Modery.
Die Wahl zum Ortschaftsrat im Jahr 1984 brachte in der Ortsvorsteherfrage eine Patsituation, nachdem der neu in den Ortschaftsrat eingezogenen Vertreter der Freien Wählervereinigung, Arno Becker, für Hugo Modery als Ortsvorsteher stimmte. Es kam zum Losentscheid zwischen Modery und dem Bewerber der CDU, Rolf Häfner. Das Glück war auf der Seite der SPD. Wieder konnte die Mehrheit im Bruchsaler Rathaus nicht über ihren Schatten springen. Hugo Modery wurde von der Mehrheit im Rathaus nicht gewählt.
Der alte Ortsvorsteher, Heinz Link von der CDU, blieb als kommissarischer Ortsvorsteher weitere 5 Jahre im Amt. Die CDU blieb unter Link auch hinter den aktuellen Themen zurück. Diese wurden von der SPD aufgegriffen und in den Ortschaftsrat eingebracht. In der Folge verlor die CDU weiter an Boden, die SPD jedoch gewann hinzu.
Aktuelle Beispiele dafür waren die Themen:
Aus: Festschrift SPD Untergrombach 1905- 1995, 90 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1995
Die Kommunalwahl 1989 brachte die Wende: 6 Sitze für für die SPD 5 Sitze für die CDU, 1 Sitz für die Freien Wähler. Neben Hugo Modery zogen erstmals zwei Frauen aus der Liste der SPD in den Ortschaftsrat: Annedore Fischer und Daniela Biedermann. Hinzu kamen Horst Gringmuth, Gustav Klotz und Karl Mangei. Der Ortschaftsrat nominierte Hugo Modery, der wieder mit haushohem Vorsprung die meisten Stimmen aller Ortschaftsrat Kandidaten errungen hatte. Diesmal folgte der Gemeinderat Bruchsal, in dem es übrigens seit dieser Wahl keine absolute CDU-Mehrheit mehr gab, dem Willen der Untergrombacher und Hugo Modery wurde zum Ortsvorsteher gewählt. Die SPD stellte damit in ihrer bis dahin 85-jährigen Geschichte den Ersten Vertreter des Ortes.
Fünf Jahre übte Hugo Modery das Amt des Ortsvorstehers aus. Unterstützt von einem Ortschaftsrat, in dem ebenfalls die SPD über mehr Sitze verfügte, als die anderen beiden Parteien. Wichtiges konnte in dieser Zeit auf den Weg gebracht und politisch durchgesetzt werden: Nach etlichen Wiederständen gab es endlich eine Frühgruppe in einem Untergrombacher Kindergarten. Heute eine Selbstverständlichkeit die viele Eltern dankbar in Anspruch nehmen. Tempo 30 Zonen wurden eingerichtet. Auch hier hat es lange Diskussionen gegeben. Inzwischen haben alle Parteien die Vorteile verkehrsberuhigender Maßnahmen erkannt. Der Dynamik und dem Einsatz von Ortsvorsteher Modery ist es zu verdanken, daß bereits 1993 mit der Bebauung in Sand II begonnen werden konnte und der Kindergarten “Arche Noah” so schnell realisiert wurde.
In dieser Zeit begann auch die Planung von altengerechten Wohnungen, die vorrausichtlich schon1996 beziehbar sind. Auch im kulturellen Bereich ergaben sich neue Akzente. Seit 1990 zum Beispiel findet die Maibaumaufstellung wieder in einem ansprechenden Rahmen und unter großem Zuspruch der Bevölkerung in der Ortsmitte statt.
Leider konnte Hugo Modery sein Amt nur 5 Jahre ausüben. Die Ortschaftsratwahl im Jahr 1994 hatte folgendes Ergebnis gebracht: Fünf Sitze SPD,fünf Sitze CDU und zwei Sitze Freie Wähler. Die Freien Wähler stimmten jedoch diesmal mit der CDU und somit wurde der Bewerber der CDU, Rolf Häfner, als Kandidat vorgeschlagen – und nur mit viel Mühe – im Gemeinderat in Bruchsal gewählt.
Zu den aktuellen Untergrombacher Themen, für die sich die SPD in Untergrombach derzeit stark machte, gehörten folgende Punkte:
Freizeitmöglichkeiten für Untergrombacher Jugendliche! Wohin in der Freizeit?
Wo ist mein Platz im Alter? Auch in Untergrombach brauchen wir Pflegeplätze!
Sanierung der Mehrzweckhalle
Erhalt der einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt auf unserer Gemarkung,
Ein neuer Kindergarten in Sand II
Erstklässler aus dem Sand und der Wendelinussiedlung in die Joß Fritz Schule
Verbesserung bei den Kinderspielplätzen
Was wird aus dem „Brohmgelände“ (heute Standort EDEKA/FFW/DRK) Wir wollen eine sinnvolle Nutzung, die Untergrombacher Bedürfnissen gerecht wird.
Weiterführung der Verkehersberuhigungsmaßnahmen in Untergrombach.
Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Untergrombacher SPD war der Besuch des damaligen SPD Bundesvorsitzenden Hans Jochen Vogel in der überfüllten Mehrzweckhalle (heute Bundschuhhalle) von Untergrombach.
Vogel kam 1990 zur Unterstützung des damals noch jungen SPD Bundestagskandidaten Jörg Tauss nach Untergrombach.
Aus: Festschrift SPD Untergrombach 1905- 1995, 90 Jahre Sozialdemokraten in Untergrombach, Untergrombach 1995
SPD aktuell informierte zur Jahrtausendwende regelmäßig über Untergrombacher Themen besonderes begehrt durch die Beilage der Fahrpläne der Nahverkehrszüge.
Münte kommt - Franz Müntefering in Untergrombach
Zur Unterstützung des Landtagswahlkampf der Südwest SPD , unseres Kandidaten im Landeswahlkreis Bruchsal - Peter Friedrich und dem Kandidat für den Wahlkreis Bretten - Peter Wintruff, besuchte am Montag den 5.März 2001 der damalige SPD Generalsekretär Franz Müntefering Untergrombach. "Es ist Zeit für eine neue Politik in Baden Württemberg" so Münte vor den Zuhörern in der voll besetzten Mehrzweckhalle (Bundschuhhalle). Ein großer Tag für den SPD Ortsverein Untergrombach. Die SPD mit Spitzenkandidatin Ute Vogt löste sich vom historischen Tief von 25,1 Prozent und kam auf 33,3 Prozent der Stimmen und konnte erstmals seit 1972 in Baden-Württemberg den Stimmanteil verbessern.
1945-1950 Karl Mangei
1950-1953 Herbert Warth
1953-1957 Karl Mangei
1957-1963 Ludwig Mangei
1963-1969 Albert Fetzner
1969-1971 Leo Wachter
1971-1973 Hugo Modery
1973-1975 Gerd Winkelmann
1975-1977 Dr. Oswald Kreß
1977-1979 Albert Fetzner
1979-1983 Herbert Warth
1983-1987 Horst Gringmuth
1987-1992 Karl Mangei (II)
1992-1995 Hans Biedermann
1995-2007 Karl Mangei (II)
2007-2013 Anja Krug
2013-2019 Heribert Gross
2019- 2023 Heribert Gross / Karina Merten
2023- Heribert Gross / Britta Mangei
SPD Etikett Weinpräsente Jahrgang 2000
