Stolperstein für Josef Heid, badischer Landtagsabgeordneter, in Bruchsal am 5. Juli 2018

Veröffentlicht am 06.07.2018 in Aktuelles

Vierte Bruchsaler Stolpersteinverlegung am Donnerstag, den 5. Juli 2018 durch Gunter Demnig

In Anwesenheit der Regierungspräsidentin Nikoletta Kressl fand gestern im voll besetzten Ratssaal die Erinnerungsfeier der 4. Stolpersteinverlegung in Bruchal statt. Die Erinnerung an unseren ehemaligen badischen Landtagsabgeordneten und Bruchsaler Mitbürger Josef Heid wurde durch die Anwesenheit von Kreisvorsitzenden Christian Holzer, Kreisrätin Ruth Römpert, Stadträte Helga Langrock, Alexandra Nohl, Anja Krug, Hans-Jörg Betz und den Kreisvorsitzenden der AWO Roland Herberger gewürdigt. Aus der ehemaligen Heimatstadt Villingen waren 2 Genossen zur Feierstunde und Stolpersteinverlegung angereist.Zahlreiche Genossinnen und Genossen aus  Bruchsal und Umgebung rundeten das Bild ab.Stadträte von CDU und Grünen sowie zahlreiche Behördenvertreter waren weitere Besucher. Die Zivilgesellschaft war in bunter Schar über alle Altersgruppen hervorragend vertreten.
Herzlichen Dank für die Stiftung des Stolpersteins an Helga und Ernst Langrock, sowie die Liedvorträge von Alex Nohl!
Herzlichen Dank an die Stadt Bruchsal für die organisatorische Vorbereitung der 4. Stolpersteinverlegung. Diesmal für 17 ehemalige Jüdische Mitbürger und den Sozialdemokraten Josef Heid.

>> unter weiterlesen die Vorstellung des Lebensweg von Josef Heid

Stolperstein für Josef Heid,

badischer Landtagsabgeordneter

im Gartenweg 37 in Bruchsal am 5. Juli 2018

 

Mit der Verlegung der Stolpersteine heute erinnert die Zivilgesellschaft Bruchsals erneut an das Leben jüdischer Mitbürger und ihren gewaltsamen, unrechtmäßigen Tod.Wir erinnern auch an das Leben des badischen Landtagsabgeordneten Josef Heid,seine politische Verfolgung und seinen Tod im KZ Dachau.

 

Josef Heid wurde am 17.November 1882 in Stühlingen geboren. Ab 1922 war Josef Heid als Revisionsinspektor beim Bezirkamt in Villingen tätig.Beurteilungen seines Vorgesetzten zeigen einen fleißigen und kenntnisreichen Beamten. Josef Heid war schon früh in der SPD politisch aktiv. Er wurde zum Stadtverordneten und zum Kreisrat in Villingen gewählt. Ab 1929 wurde Josef Heid im Alter von 47 Jahren Abgeordneter im 4. badischen Landtag der badischen Republik. Seine erste Frau Sofie ist früh verstorben. Er war allein mit seinem Sohn Werner. In zweiter Ehe mit Anna Höpfinger, sie stammte auch aus Unteröwisheim, wurden ihnen die beiden Söhne Wilfried und Dietrich geschenkt. Bis 1933 war das ein sehr normaler Lebensweg eines engagierten Mitbürgers, der sich gerne und wohl auch erfolgreich für andere Menschen einsetzte. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten – auf legalem Weg durch Wahlen – änderte sich der Lebensweg von Josef Heid und seiner Familie schlagartig.

 

Die NS-Gauleitung verfügte:

 

Führer der SPD, für die eine persönliche Gefährdung besteht oder zu befürchten ist, sind in Schutzhaft zu nehmen.

 

Josef Heid wurde verhaftet.

Festnahme, Misshandlungen, Klinikaufenthalt und Einsitzen in das Bezirksgefängnis Villingen und KZ Heuberg waren Folgen dieser „Schutzhaft“.Es gibt Briefe von Josef Heid, in denen er das ihm bei der Festnahme abgenommene Bargeld zurückforderte. Als Antwort kamen Rechnungen für Verpflegung und Unterkunft. Kein Geld zurück. Auch mit solchen Fakten zeigt sich die gesamte willkürliche Art des NS-Staates. Noch 1933 wurde der Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Josef Heid aus seiner Heimatstadt ausgewiesen.

Sein ältester Sohn Werner leistete die Umzugsarbeit für die Familie. Der Vater war ja im KZ. Zuflucht fand die Familie in Bruchsal. Die Familie Höpfinger aus Unteröwisheim unterstütze durch den Kauf eines Hauses im Gartenweg. Der Großvater Höpfinger, ein Zentrumsmann, sorgte für Anna Heid, geborene Höpfinger, und die 3 Kinder. Nach Entlassung aus dem KZ Heuberg erschwerten erhebliche Auflagen Josef Heid und seiner Familie das tägliche Leben:

 

Berufsverbot

Jede Woche Meldung bei der Polizei

Bruchsal nicht verlassen dürfen

Nur 50 % der ihm zustehenden Pension

 

Das waren die Druckmittel der Nazis auf den politischen Gegner Josef Heid, SPD.

 

Zum Glück gab es in Bruchsal und Umgebung Firmen, die auf der Suche nach Menschen mit Kenntnissen in Buchhaltung und Steuerrecht, bei Josef Heid vorstellig wurden. So konnte die Familie ihren Lebensunterhalt einigermaßen meistern. Es gibt genaue Aufzeichnungen von Josef Heid, für wen er arbeitete und über seine Einkünfte. 

Aus dieser Zeit stammen Bilder der Familie Heid. Der Sohn Werner aus erster Ehe als junger Heranwachsender und nach dem Studium der Pharmazie das Hochzeitsfoto. Josef Heid mit seiner tapferen Anna und die beiden Söhne Wilfried und Dietrich. Wilfried, 90 Jahre alt, lebt in einem Altersheim in Südafrika. Dietrich, den viele von uns kannten, ist nach vielen Jahren der Schwerbehinderung durch Kinderlähmung 2007 im Alter von 74 Jahren gestorben. Josef Heid war stolz auf seine Familie und gab alles um sie zu bewahren und zu versorgen. 20.Juli 1944. Das Attentat auf Adolf Hitler missglückte. Erste Widerständler wurden sofort  erschossen. Im August 1944 startete die NS die Aktion „GITTER“. Es war alles vorbereitet um politische Gegner festzunehmen und wegzusperren.Dietrich war 11 Jahre alt, sein Vater Josef Heid 62 Jahre.Josef Heid wurde von der Gestapo verhaftet und ins KZ Dachau verbracht. Die Familie sah den Vater nie wieder. Seine Frau Anna ist insgesamt 4 Mal bei dem Gauleiter in Bruchsal vorstellig geworden. Der Gauleiter hatte die Macht Josef Heid freizulassen. Er hatte aber auch die Willkür den politischen Gegner im KZ Dachau zu belassen. Anna Heid kam mit der Bitte ihren Mann freizulassen. Beim letzten Gespräch fragte der Gauleiter nach den Söhnen. Anna Heid antwortete: Der älteste ist bereits in Russland. Der zweite geht im Alter von 16 Jahren auf das Gymnasium und nachmittags in den Schnabel Henning Werken arbeiten.

4 Wochen später kam die Einberufung für Wilfried zum Wehrdienst. Macht und Willkür des Gauleiters der NS in Bruchsal. 

Der Todestag von Josef Heid ist auf der Sterbeurkunde des KZ Dachaus mit dem 21. Dezember 1944 angegeben. Sein Leichnam wurde dort sofort eingeäschert.

 

Seine Söhne haben zur Erinnerung an den Vater auf den Grabstein am Familiengrab geschrieben:

 

Ermordet im KZ Dachau

 

In der Sitzung des Reichstags im Januar 1933 rief der Fraktionsvorsitzende der SPD Otto Wels

vor der Abstimmung um das sog. Ermächtigungsgesetz den Nazis zu:

 

„Sie können uns das Leben nehmen, aber die Ehre nicht.“

 

Die Nazis haben dem Sozialdemokraten Josef Heid das Leben genommen.

Josef Heid ist ehrenwert geblieben.

 

Heute ehren wir den Mann, Vater und Landtagsabgeordneten Josef Heid mit dem Stolperstein vor dem Wohnhaus im Gartenweg.

Die Zivilgesellschaft, wir alle, jeder Einzelne von uns hat eine dauerhafte Aufgabe:

 

Nie wieder Unrecht, nie wieder Willkür.

 

Nur Freiheit und Recht geben Sicherheit, nicht in umgekehrter Reihenfolge.

 

Mut und Zivilcourage ist täglich gefordert.

 

                                                                                                   Ernst-Friedrich Schäfer  5. Juli 2018

 

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